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dr. med. dent. Florian Stecher
Retention · Nach der aktiven Behandlung

Retainer: Damit die Zähne bleiben, wo sie hingehören

Fester Draht · Nachtschiene · Mindestens 2 Jahre · Kasse: herausnehmbar bis 2 Jahre nach Behandlungsende

Foto folgt: retainer draht und schiene

Der Tag, an dem die Brackets runterkommen, ist ein Fest. Aber er ist nicht das Ende der Behandlung – er ist der Anfang der Retention. Zähne haben ein Gedächtnis: Ohne Halt wandern sie langsam dorthin zurück, wo sie herkamen. Der Retainer verhindert genau das.

Hier erfährst du, welche Retainer es gibt, wie lange du sie brauchst, was die Kasse übernimmt – und warum wir bei manchen Kindern einen festen Draht empfehlen, obwohl er meist privat bezahlt wird.

Warum Zähne zurückwandern

Während der aktiven Behandlung werden Zähne durch den Knochen bewegt. Der Knochen und die Fasern, die den Zahn im Kiefer halten, brauchen danach Zeit, sich an die neue Position zu gewöhnen – Monate bis Jahre. In dieser Zeit ziehen die Fasern den Zahn in seine alte Lage zurück, wenn nichts dagegenhält. Dazu kommt, dass Kiefer und Gesicht bis ins junge Erwachsenenalter weiterwachsen und Weisheitszähne von hinten schieben können.

Deshalb gehört die Retention fest zum Behandlungsplan. Die Kasse übernimmt die herausnehmbare Retention bis zwei Jahre nach Behandlungsende – und zu diesem Zeitpunkt wird auch die Abschlussbescheinigung ausgestellt, mit der ihr den Eigenanteil zurückbekommt. Ein Retainer, der nicht getragen wird, gefährdet also nicht nur die Zähne, sondern auch die Rückerstattung.

3D-Querschnitt eines Zahns mit Wurzel im Kieferknochen

Fest oder herausnehmbar?

Beide Varianten halten die Zähne, beide haben Vor- und Nachteile. Häufig kombinieren wir sie: fester Draht im Unterkiefer, Schiene für den Oberkiefer.

Fester RetainerHerausnehmbarer Retainer
Was ist das?Dünner Draht, hinten an die Frontzähne geklebt (meist Eckzahn bis Eckzahn)Durchsichtige Schiene oder Platte mit Drahtbügel, ähnlich der losen Spange
TragenRund um die Uhr, ohne dran zu denkenNachts, anfangs oft auch tagsüber – wir sagen dir den Plan
Spürbar?Nach wenigen Tagen nicht mehrZunge braucht ein paar Nächte
PflegeZahnseide unter dem Draht durchfädeln, InterdentalbürsteWie die lose Spange: kaltes Wasser, Bürste, Dose
RisikoKann sich an einem Zahn lösen – dann bitte meldenKann vergessen oder verloren werden
KasseMeist Privatleistung (Zusatzleistung), teils Zuschuss im Unterkiefer je nach KasseKassenleistung bis 2 Jahre nach Behandlungsende (ab KIG 3)

Wie lange muss der Retainer getragen werden?

Die ehrliche Antwort: lange. Die Kasse übernimmt zwei Jahre Retention, fachlich sinnvoll ist oft deutlich mehr. So planen wir es:

  1. Erstes Jahr

    Jahr 1

    Herausnehmbarer Retainer jede Nacht, anfangs nach Absprache auch tagsüber. Fester Draht bleibt sowieso.

  2. Zweites Jahr

    Jahr 2

    Nachtschiene weiter jede Nacht. Kontrolltermine werden seltener. Am Ende: Abschlussbescheinigung für die Kasse.

  3. Danach

    Jahr 3+

    Fester Draht bleibt, solange er hält und sauber bleibt – gern bis ins Erwachsenenalter. Nachtschiene nach Absprache seltener, aber nicht nie.

Wann und wie wird der Retainer eingesetzt?

Der feste Retainer kommt meist am selben Tag, an dem die Brackets entfernt werden – oder wenige Tage später. Die Innenseiten der Frontzähne werden gereinigt, der dünne Draht wird angepasst und mit Kunststoff an jedem Zahn festgeklebt. Das dauert etwa eine halbe Stunde, tut nicht weh und braucht keine Betäubung.

Für die herausnehmbare Schiene nehmen wir nach dem Entfernen der Brackets einen Abdruck oder Scan; die Schiene ist nach wenigen Tagen fertig und wird bei einem kurzen Termin angepasst. Danach gilt: jede Nacht rein, nach dem Frühstück raus, in die Dose – und alle paar Monate zur Kontrolle.

Lichthärtung mit Schutzbrille
Zahnseide am Zahnmodell

Retainer-Pflege in vier Punkten

  • Zahnseide mit Einfädelhilfe

    Beim festen Retainer einmal am Tag die Zahnseide unter dem Draht durchfädeln. Klingt fummelig, dauert nach einer Woche Übung eine Minute.

  • Draht prüfen

    Ab und zu mit der Zunge abfahren: Fühlt sich eine Stelle anders an oder wackelt ein Zahn – anrufen. Ein gelöster Draht hält nicht mehr.

  • Schiene kalt reinigen

    Herausnehmbare Retainer wie die lose Spange: kaltes Wasser, eigene Bürste, kein heißes Wasser, gelegentlich ein Reinigungstab.

  • Dose, nicht Taschentuch

    Schiene draußen? Dose. Die häufigste Art, einen Retainer zu verlieren, ist die Serviette in der Mensa.

Was die Kasse zahlt – und was nicht

Bei Kassenbehandlung (KIG 3 bis 5, unter 18) übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die herausnehmbare Retention bis zwei Jahre nach Ende der aktiven Behandlung. Sie ist Teil des genehmigten Behandlungsplans, ihr zahlt dafür keinen zusätzlichen Eigenanteil.

Der feste Retainer gehört zum Katalog der Zusatzleistungen und wird meist privat bezahlt. Einige Kassen geben einen Zuschuss für den Unterkiefer-Retainer – das prüfen wir mit euch. Wir empfehlen den festen Draht dann, wenn er fachlich Sinn ergibt, zum Beispiel bei ausgeprägtem Engstand vor der Behandlung, und rechnen ihn vorher transparent vor. Die Kassenbehandlung hängt nicht davon ab, ob ihr ihn wählt.

Privat versichert? Dann läuft die Retention über den privaten Behandlungsplan nach GOZ – Details auf Privatpatienten. Alle Zahlen: Kosten & Kasse.

Kosten & Kasse im Detail
Instrumente auf hellblauem Grund

Für dich: Retainer-Regeln in 60 Sekunden

Du hast die Spange durchgezogen – Respekt. Jetzt kommt der leichteste Teil, wenn du drei Dinge beachtest:

  1. Schiene jede Nacht. Nicht „meistens“, nicht „wenn ich dran denke“. Jede Nacht. Leg sie neben die Zahnbürste, dann klappt es.
  2. Draht im Blick. Fahr ab und zu mit der Zunge drüber. Fühlt sich was anders an, sag Bescheid. Ein loser Draht ist kein Drama, aber er hält nicht mehr.
  3. Dose, immer. Die Schiene im Taschentuch ist die häufigste Art, sie zu verlieren. Die zweithäufigste ist der Hund.

Und wenn du in ein paar Jahren denkst, die Zähne stehen wieder anders: Komm vorbei. Wir schauen es uns an – auch wenn du dann schon fast erwachsen bist.

Retainer ab, Zähne gewandert – was jetzt?

Es passiert: Der Draht löst sich, die Schiene ist seit einem Jahr verschollen, und plötzlich steht ein Frontzahn wieder ein bisschen schief. Wenn du früher bei uns in Behandlung warst, melde dich – auch wenn du inzwischen siebzehn bist und die Behandlung lange her ist. Oft reicht ein neuer Retainer, manchmal eine kurze Nachkorrektur. Wir schauen es uns an und sagen dir ehrlich, was nötig ist und was es kostet.

Für ehemalige Patienten ab 18, die zum Abschluss noch etwas fürs Lächeln tun möchten, gibt es unsere Ästhetik-Angebote – in unserer Praxis oder mit unserem Partner-Zahnarzt.

Häufige Fragen

Für Eltern
Wie lange muss der Retainer getragen werden?

Mindestens zwei Jahre nach der aktiven Behandlung – so lange übernimmt die Kasse die herausnehmbare Retention. Fachlich sinnvoll ist oft länger: Der feste Draht kann bleiben, solange er hält, die Nachtschiene wird nach Absprache seltener. Bleiben die Zähne für immer gerade? Nur, wenn etwas sie hält.

Zahlt die Krankenkasse den Retainer?

Die herausnehmbare Retention ist bis zwei Jahre nach Behandlungsende Kassenleistung. Der feste Retainer ist eine Zusatzleistung und wird meist privat bezahlt; manche Kassen bezuschussen den Unterkiefer-Retainer. Wir klären das vorab mit euch und nennen die Kosten vor dem Einsetzen.

Bleiben die Zähne nach der Behandlung für immer gerade?

Nur mit Retention. Zähne bewegen sich ein Leben lang, deshalb ist der Retainer keine lästige Zugabe, sondern der Teil der Behandlung, der das Ergebnis sichert. Wer ihn trägt, hat gute Chancen, dass es so bleibt – versprechen kann das niemand seriös.

Für dich
Mein Draht hat sich an einem Zahn gelöst – ist das schlimm?

Kein Notfall, aber bitte bald melden. Ein gelöster Draht hält den Zahn nicht mehr, und die Stelle kann scheuern. Wir kleben ihn in den nächsten Tagen wieder fest. Bis dahin: Nachtschiene tragen, falls du eine hast.

Kann ich mit Retainer alles essen?

Mit dem festen Draht ja – er sitzt hinten an den Zähnen und stört beim Essen nicht. Nur beim Abbeißen von sehr Hartem (Karotte am Stück, Nüsse) vorsichtig sein. Die herausnehmbare Schiene kommt zum Essen raus – und in die Dose.

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