Kreuzbiss, Überbiss, Engstand: was auf dem Befund steht
Kreuzbiss · Überbiss · Offener Biss · Tiefbiss · Engstand

Auf dem Zettel vom Zahnarzt oder im Behandlungsplan stehen Begriffe, die im Alltag niemand benutzt. Hier steht, was die fünf häufigen darunter bedeuten, woran du sie erkennst, welches Gerät dazu passt und in welche Gruppe und welchen Grad sie in der Einstufung der Krankenkassen fallen. Ob eine Fehlstellung behandelt werden muss, entscheidet dabei das gemessene Ausmaß und nicht der Name.
Fünf Begriffe, die auf dem Befund stehen können
Die Angaben zu Gruppe und Grad sind typische Einordnungen. Verbindlich wird die Einstufung erst nach der Messung am Modell, an Fotos und gegebenenfalls am Röntgenbild.
Kreuzbiss
Beim Kreuzbiss beißen die oberen Zähne innen an den unteren vorbei, entweder an einzelnen Zähnen oder auf einer ganzen Seite, und oft weicht der Unterkiefer dabei zur Seite aus. Auffällig wird das am Kinn, das beim Zubeißen leicht schief steht. Früh erkannt lässt sich der Kreuzbiss mit einem herausnehmbaren Gerät angehen, das den Oberkiefer weitet; später übernimmt die feste Spange. Jeder echte Kreuzbiss ist Kassenleistung, beidseitig als K3, einseitig als K4 und an den Frontzähnen als M4. In Grad 2 fällt nur die Vorstufe, der Kopfbiss, bei dem die Seitenzähne Höcker auf Höcker stehen.Überbiss
Beim Überbiss stehen die oberen Frontzähne deutlich vor den unteren; gemessen wird der Abstand in Millimetern, fachlich heißt er sagittale Stufe. Die Lippen schließen dann schwerer, und die oberen Schneidezähne sind bei Stürzen stärker gefährdet. Im Wachstum steuert ein herausnehmbares Gerät die Lage des Unterkiefers, die Feinstellung macht später die feste Spange. Die zuständige Gruppe D ist gestaffelt: bis 3 Millimeter ist es D1, über 3 bis 6 Millimeter D2, über 6 bis 9 Millimeter D3 und über 9 Millimeter D4. Kassenleistung ist der Überbiss ab Grad 3, also ab mehr als 6 Millimetern.Offener Biss
Beim offenen Biss bleibt zwischen den oberen und unteren Zähnen ein Spalt, wenn dein Kind zubeißt, meistens vorn. Abbeißen mit den Frontzähnen klappt dann schlecht, und manchmal kommt Lispeln dazu. Häufig halten Daumen, Schnuller, Zunge oder eine dauerhafte Mundatmung den Spalt offen, deshalb steht am Anfang die Gewohnheit und erst danach das Gerät. In der Gruppe O ist ab mehr als 2 Millimetern Grad 3 erreicht und die Behandlung damit Kassenleistung.Tiefbiss
Beim Tiefbiss überdecken die oberen Frontzähne die unteren zu weit, im ausgeprägten Fall beißen die unteren Zähne in den Gaumen. Erkennbar ist das daran, dass die unteren Schneidezähne beim Zubeißen fast verschwinden, manchmal kommen Druckstellen am Gaumen dazu. Behandelt wird im Wachstum mit einer Aufbissplatte oder einem anderen herausnehmbaren Gerät, später mit der festen Spange. In der Gruppe T gibt es die Grade T1 bis T3: Bis 3 Millimeter Überdeckung gilt als regulär, mehr als 3 Millimeter sind T2, und erst wenn die unteren Zähne in die Gaumenschleimhaut einbeißen, ist es T3 und damit Kassenleistung.Engstand
Beim Engstand ist im Kiefer zu wenig Platz, die Zähne drängeln sich, drehen sich oder brechen versetzt durch. Sichtbar wird das an schiefen Frontzähnen und an Stellen, die sich schwer putzen lassen. Im Wachstum kann ein herausnehmbares Gerät Platz schaffen, die Feinstellung übernimmt die feste Spange; einen Zahn zu ziehen ist bei uns die Ausnahme und wird erst nach Röntgenbild und Modell entschieden. In der Gruppe E ist ab mehr als 3 Millimetern Platzmangel Grad 3 erreicht und die Behandlung Kassenleistung.Woher Fehlstellungen kommen
Fehlstellungen sind fast immer multifaktoriell. Wie groß Kiefer und Zähne angelegt sind, ist vererbt, und Daumen, Schnuller, Zungenpressen und Mundatmung formen den wachsenden Kiefer über Jahre zusätzlich mit. Dazu kommen früher Milchzahnverlust und seltener Unfälle.
Deshalb lässt sich aus einem Befund nicht ablesen, dass jemand etwas falsch gemacht hat. Beeinflussbar ist der Teil, der mit Gewohnheiten zu tun hat, und um den geht es auf der Seite zur Frühbehandlung.

Ab Grad 3 übernimmt die Kasse die Behandlung
Der Grad wird innerhalb der Gruppe vergeben, in die der Befund gehört; alles zur Einstufung, zum Eigenanteil und zur Rückerstattung steht auf Kosten und Kasse.
Die Erstberatung ist Kassenleistung, eine Überweisung brauchst du nicht.
Häufige Fragen
Kann mein Kind mehrere Fehlstellungen gleichzeitig haben?
Ja, und das ist eher die Regel als die Ausnahme. Ein Engstand kann zusammen mit einem Überbiss auftreten, ein Kreuzbiss zusammen mit einem offenen Biss. Für die Einstufung zählt dann der Befund mit dem höchsten Grad, behandelt wird trotzdem das gesamte Bild.
Warum steht im Befund ein Buchstabe vor der Zahl?
Der Buchstabe benennt die Indikationsgruppe, also die Art der Abweichung, und die Zahl den Behandlungsbedarfsgrad innerhalb dieser Gruppe. K steht für die Abweichung zur Seite, D für die Stufe zwischen oberen und unteren Frontzähnen, O für den offenen Biss, T für den tiefen Biss und E für Platzmangel. Erst beide Angaben zusammen ergeben die Einstufung.
Kann sich eine Fehlstellung im Zahnwechsel von selbst geben?
Bei leichten Befunden ja. Milchzähne stehen anders als bleibende Zähne, und ein Platzmangel im Milchgebiss sagt wenig über das spätere Gebiss aus. Ein Kreuzbiss dagegen wächst sich nicht aus. Deshalb messen wir bei der Kontrolle und entscheiden am Ausmaß, ob wir behandeln oder beobachten.
Kann gründliches Putzen schiefe Zähne verhindern?
Nein, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Putzen schützt vor Karies und Zahnfleischentzündung, auf die Stellung der Zähne hat es keinen Einfluss. Wie viel Platz die Zähne haben und wie die Kiefer zueinander stehen, ist angelegt und wird durch Gewohnheiten mitgeformt.
