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dr. med. dent. Florian Stecher
Frühbehandlung · 4 bis 9 Jahre

Wann wir schon im Milchgebiss behandeln

Kreuzbiss · ausgeprägter Überbiss · Gewohnheiten · Kasse ab Grad 3

Kleines Mädchen mit Zöpfen sitzt auf einem gelben Behandlungsstuhl

Die meisten Kinder brauchen mit sechs noch keine Spange. Bei einigen Befunden lohnt sich der frühe Start aber, weil der Kiefer dann noch in die gewünschte Richtung wächst und später weniger nötig ist. Diese Seite sagt dir, wann wir zu einer Frühbehandlung raten, wann wir bewusst abwarten und wie beides abläuft.

Kleines Mädchen sitzt frontal auf einem gelben Behandlungsstuhl

Drei Anlässe, bei denen wir früh etwas tun

Eine Frühbehandlung beginnt zwischen etwa vier und neun Jahren, im Milchgebiss oder im frühen Wechselgebiss. Sie kommt nur bei ausgeprägten Befunden infrage, die das Wachstum in eine falsche Richtung lenken würden. Was die einzelnen Begriffe bedeuten, steht auf der Seite Fehlstellungen.

Kreuzbiss

Die oberen Zähne beißen innen an den unteren vorbei, und häufig weicht der Unterkiefer beim Zubeißen zur Seite aus. Weil der Kiefer in dieser Zwangslage weiterwächst, gehört der Kreuzbiss zu den klassischen Gründen für einen frühen Start.

Ausgeprägter Überbiss

Stehen die oberen Frontzähne weit vor den unteren, lässt sich das Wachstum des Unterkiefers mit einem herausnehmbaren Gerät steuern. Solche Frontzähne sind außerdem bei Stürzen stärker gefährdet.

Gewohnheiten

Daumenlutschen, ein Schnuller über das Kleinkindalter hinaus, Zungenpressen oder dauerhafte Mundatmung formen den wachsenden Kiefer über Jahre mit. Hier geht es zuerst darum, die Gewohnheit zu beenden.

Was Daumen, Schnuller und Mundatmung bewirken

Zahn- und Kieferfehlstellungen entstehen fast immer aus mehreren Ursachen zugleich: Veranlagung und äußere Einflüsse wirken zusammen und können sich gegenseitig verstärken. Daumen, Schnuller, Mundatmung und Zungenpressen sind der Teil davon, den du im Alltag beeinflussen kannst, und genau darum geht es hier.

Daumenlutschen ist bis etwa drei Jahre unproblematisch und sollte spätestens mit vier abgewöhnt sein; dauert es länger an, stell dein Kind bei uns vor. Der Schnuller wirkt ähnlich, lässt sich aber leichter aus dem Alltag nehmen, weil man ihn weggeben kann. Wer dauerhaft durch den Mund atmet, hat die Zunge unten statt am Gaumen, wodurch der Oberkiefer schmal bleibt; dahinter steckt oft eine verlegte Nase, deshalb schicken wir in solchen Fällen zum Kinderarzt oder zur HNO-Praxis.

Bei leichten Befunden warten wir bewusst ab

Das ist nach der ersten Kontrolle die häufigste Empfehlung. Ein leichter Platzmangel im Milchgebiss löst sich im Zahnwechsel oft von selbst, weil die Kiefer noch wachsen und die bleibenden Zähne anders stehen als ihre Vorgänger. Ein Gerät, das zu früh eingesetzt wird, verlängert die Gesamtbehandlung, ohne das Ergebnis zu verbessern.

Abwarten heißt dabei nicht, nichts zu tun. Du bekommst von uns einen konkreten Zeitpunkt für die nächste Kontrolle, meist in einem Jahr, und wir sagen dir, worauf du bis dahin achten sollst.

Illustration eines gesunden Zahns in Orange

Ablauf und Dauer einer Frühbehandlung

Beim ersten Termin wird nur untersucht: zählen, zubeißen lassen, am Modell erklären. Abdruck, Fotos oder ein Röntgenbild folgen erst, wenn eine Behandlung tatsächlich ansteht, und sie lassen sich auf einen zweiten Termin legen.

Behandelt wird in dieser Altersgruppe fast immer mit einem herausnehmbaren Gerät, das vor allem nachts und am Nachmittag getragen wird. Die Behandlung dauert in der Regel rund anderthalb Jahre, die Kontrolltermine liegen alle vier bis acht Wochen. Danach folgt eine Pause, in der wir den Zahnwechsel nur beobachten; ob später eine zweite Phase mit loser oder fester Zahnspange nötig wird, zeigt sich mit dem weiteren Wachstum.

Was beim Besuch passiert, kann dein Kind selbst nachlesen: Dein erster Besuch im Kinder-Bereich.

Woran du zu Hause etwas ändern kannst

Bei den Gewohnheiten entscheidet der Alltag. Den Schnuller abzugeben funktioniert am besten in einem Rutsch, mit einem festen Tag und einer Regel, die für alle gilt. Beim Daumenlutschen hilft Druck wenig; es lohnt sich eher, die Situationen zu kennen, in denen der Daumen in den Mund wandert, und dort etwas anderes anzubieten. Bei dauerhafter Mundatmung ist der Kinderarzt der nächste Schritt.

Und wenn ein Gerät im Spiel ist, hängt alles an der Tragezeit. Ein Zettel am Kühlschrank, auf dem dein Kind jeden Abend abhakt, macht sichtbar, wie die Woche gelaufen ist.

Kassenleistung ab Behandlungsbedarfsgrad 3

Ab Grad 3 übernimmt die gesetzliche Kasse auch eine Frühbehandlung, alles zu Einstufung, Eigenanteil und Rückerstattung steht auf Kosten und Kasse.

Die Erstberatung ist Kassenleistung, eine Überweisung brauchst du nicht.

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Häufige Fragen

Für Eltern
Bekommt unser Kind nach der Frühbehandlung später noch eine Spange?

Häufig ja. Die Frühbehandlung räumt einen bestimmten Befund aus dem Weg, sie ersetzt aber nicht die Feinstellung der bleibenden Zähne. Bei vielen Kindern folgt deshalb nach einer mehrjährigen Pause eine zweite Phase. Ob das nötig wird, lässt sich erst beurteilen, wenn der Zahnwechsel weiter fortgeschritten ist.

Verlängert eine Frühbehandlung die Gesamtbehandlung?

Bei richtiger Indikation nicht. Sie verhindert, dass ein Befund über Jahre schlimmer wird, und macht die spätere Behandlung dadurch oft kürzer und einfacher. Ohne klare Indikation ist das Gegenteil der Fall, und genau deshalb behandeln wir früh nur bei ausgeprägten Befunden.

Unser Kind ist vier und lutscht noch am Daumen. Reicht ein Termin beim Zahnarzt?

Für die Kontrolle der Zähne ja, für die Beurteilung des Kieferwachstums nicht unbedingt. Wenn das Lutschen mit vier noch täglich vorkommt, lohnt sich ein Blick bei uns: Wir schauen, ob sich der Biss bereits verändert hat, und besprechen mit dir, welcher Weg zum Abgewöhnen zu deinem Kind passt.

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