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dr. med. dent. Florian Stecher
Ab wann & Ablauf

Ab wann zum Kieferorthopäden? Der richtige Zeitpunkt für die erste Kontrolle

Erste Kontrolle mit etwa 6, spätestens mit 9: Woran du erkennst, dass dein Kind zum Kieferorthopäden sollte, und was beim ersten Termin passiert.

DSdr. med. dent. Florian Stecher · Fachzahnarzt für Kieferorthopädie06. September 2026Erste Kontrolle, Zahnwechsel, Erstberatung
Ab wann zum Kieferorthopäden? Der richtige Zeitpunkt für die erste Kontrolle

„Ab wann muss ich mit meinem Kind zum Kieferorthopäden?“ ist die Frage, die wir am häufigsten hören. Die kurze Antwort: Eine erste Kontrolle ist mit etwa sechs Jahren sinnvoll, spätestens mit neun. Die längere Antwort: Entscheidend ist nicht das Alter im Ausweis, sondern die Zahnentwicklung. Und eine Kontrolle heißt noch lange nicht, dass eine Spange kommt. Hier erfährst du, welcher Zeitpunkt passt, worauf du selbst achten kannst und was beim ersten Termin passiert.

Die erste Kontrolle: Mit sechs schauen, mit neun spätestens

Um den sechsten Geburtstag herum brechen die ersten bleibenden Zähne durch: die großen Backenzähne hinten und die unteren Schneidezähne. Ab diesem Zeitpunkt lässt sich gut einschätzen, ob Kiefer und Zähne sich in die richtige Richtung entwickeln. Deshalb empfehlen wir eine erste Vorstellung mit etwa sechs Jahren.

Wenn es bis dahin keinen Anlass gab, ist neun Jahre eine gute Obergrenze für den ersten Besuch. Dann ist der Zahnwechsel in vollem Gang, das Kieferwachstum lässt sich noch beeinflussen, und falls eine Behandlung nötig wird, ist der Zeitpunkt günstig. Wer erst mit dreizehn kommt, hat nichts verpasst, was nicht mehr zu korrigieren wäre. Aber manche Dinge lassen sich früher leichter lösen.

Und ganz wichtig: Eine Kontrolle verpflichtet zu nichts. In vielen Fällen sagen wir: „Alles gut, wir sehen uns in einem Jahr wieder.“ Das ist ein ehrliches Ergebnis, kein verlorener Termin.

Entscheidend ist die Zahnentwicklung, nicht das Alter

Kinder sind unterschiedlich schnell. Manche haben mit sieben schon alle Schneidezähne gewechselt, andere mit neun noch kaum. Deshalb schauen wir nicht auf das Geburtsdatum, sondern auf das, was im Mund passiert:

  • Welche Milchzähne sind schon ausgefallen, welche bleibenden Zähne sind da?

  • Passen die Zähne in den Kiefer oder wird es eng?

  • Wie beißen Ober- und Unterkiefer aufeinander?

  • Gibt es Gewohnheiten wie Daumenlutschen oder Mundatmung, die die Entwicklung beeinflussen?

Aus diesen Beobachtungen ergibt sich der richtige Zeitpunkt für eine Behandlung, falls sie nötig ist. Die meisten Behandlungen mit einer losen Spange beginnen im Wechselgebiss, also zwischen etwa acht und elf Jahren. Feste Spangen kommen meist erst, wenn die bleibenden Zähne durchgebrochen sind, häufig im Alter von zehn bis dreizehn Jahren. Wie wir lose und feste Spange kombinieren, erklären wir auf der Seite Behandlungsablauf.

Warnzeichen: Wann du früher kommen solltest

Manche Auffälligkeiten sollten nicht bis zur Routinekontrolle warten. Bei diesen Zeichen ist ein Termin auch mit vier oder fünf Jahren sinnvoll:

  • Kreuzbiss: Ein oder mehrere obere Zähne beißen hinter die unteren, oft mit einer sichtbaren Verschiebung des Unterkiefers zur Seite.

  • Deutlicher Überbiss: Die oberen Schneidezähne stehen weit vor den unteren, die Lippen schließen kaum.

  • Offener Biss: Vorn bleibt beim Zubeißen eine Lücke zwischen oberen und unteren Zähnen, oft durch Daumen oder Schnuller.

  • Anhaltendes Daumenlutschen über das vierte Lebensjahr hinaus.

  • Zähne, die deutlich zu früh verloren gehen oder nicht durchbrechen wollen.

In solchen Fällen kann eine Frühbehandlung sinnvoll sein. Sie ist aber die Ausnahme, nicht die Regel. Wann sie wirklich nötig ist, liest du im Artikel Frühbehandlung: Wann eine Spange mit 6 wirklich nötig ist.

Braucht ihr eine Überweisung?

Nein. Die Erstuntersuchung beim Kieferorthopäden ist eine Kassenleistung, für die die Versichertenkarte reicht. Viele Familien kommen auf Empfehlung ihres Zahnarztes, das ist ein guter Weg, aber keine Voraussetzung. Ihr könnt auch direkt bei uns anrufen oder online einen Termin vereinbaren.

Was passiert beim ersten Termin?

Der erste Besuch ist unkompliziert und tut nicht weh. Wir schauen uns die Zähne und den Biss an, sprechen mit euch über Gewohnheiten, Zahnwechsel und mögliche Beschwerden und geben eine erste Einschätzung. Dabei geht es um drei Fragen:

  1. Gibt es eine Fehlstellung, die behandelt werden sollte?

  2. Wenn ja: Wann ist der beste Zeitpunkt dafür?

  3. Wäre es eine Kassenleistung?

Falls eine Behandlung infrage kommt, folgen Unterlagen wie Fotos, Abformungen oder ein Scan der Zähne und in der Regel ein Röntgenbild. Daraus entsteht der Behandlungsplan, der bei Kassenpatienten zur Genehmigung an die Krankenkasse geht. Ob die Kasse zahlt, hängt von der KIG-Einstufung ab, die wir im Artikel KIG 1 bis 5 einfach erklärt beschreiben.

Bringt zum ersten Termin die Versichertenkarte mit und, falls vorhanden, das Bonusheft. Und dein Kind darf gern Fragen stellen. Wir erklären alles so, dass es auch ein Siebenjähriger versteht.

Was, wenn wir „zu spät“ dran sind?

Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem nichts mehr geht. Auch mit dreizehn oder fünfzehn lassen sich Fehlstellungen sehr gut behandeln, meist mit einer festen Spange. Der Anspruch auf Kassenleistung besteht, solange die Behandlung vor dem 18. Geburtstag beginnt. Was sich mit dem Alter ändert, ist die Möglichkeit, das Kieferwachstum mitzunutzen. Deshalb unser Rat: lieber einmal früh schauen lassen. Wenn nichts zu tun ist, freuen sich alle.

Der Zeitplan im Überblick

Damit du eine Vorstellung bekommst, wie sich die Jahre verteilen, hier der typische Ablauf. Er ist eine Orientierung, kein Fahrplan, denn jedes Kind entwickelt sich anders:

AlterWas passiertWas wir tun
4–5 JahreMilchgebiss vollständigNur bei Auffälligkeiten wie Kreuzbiss oder Daumenlutschen über das vierte Lebensjahr hinaus vorstellen
etwa 6 JahreErste bleibende Backenzähne und untere Schneidezähne kommenErste Kontrolle, Einschätzung der Entwicklung
7–9 JahreZahnwechsel im FrontzahnbereichJährliche Kontrolle; bei Bedarf Frühbehandlung oder Beginn mit loser Spange
10–13 JahreWechsel der seitlichen Zähne, bleibendes Gebiss entstehtHäufigster Zeitpunkt für die Hauptbehandlung, oft mit fester Spange
14–17 JahreBleibendes Gebiss, Wachstum klingt abAbschluss der Behandlung, Retentionsphase

Zwischen den Phasen liegt oft bewusst Wartezeit. Wenn wir sagen „in einem Jahr wiederkommen“, ist das keine Vertröstung, sondern der Plan.

Häufige Fragen zum richtigen Zeitpunkt

Reicht die Kontrolle beim Kinderzahnarzt nicht aus?

Der Zahnarzt achtet auf Karies und Zahngesundheit und erkennt oft auch Fehlstellungen. Die Einschätzung, ob und wann eine kieferorthopädische Behandlung sinnvoll ist, gehört aber zum Kieferorthopäden. Beides ergänzt sich; eine Überweisung braucht ihr nicht.

Bekommt mein Kind beim ersten Termin schon eine Spange?

Nein. Der erste Termin dient der Untersuchung und Beratung. Falls eine Behandlung sinnvoll ist, folgen zuerst die Unterlagen und der Behandlungsplan. Eine Spange gibt es erst, wenn der Plan steht und bei Kassenpatienten die Genehmigung vorliegt.

Mein Kind hat noch alle Milchzähne. Ist eine Kontrolle trotzdem sinnvoll?

Bei Auffälligkeiten wie einem Kreuzbiss, einem offenen Biss oder Daumenlutschen, das über das vierte Lebensjahr hinaus anhält, ja. Bis etwa drei ist Daumenlutschen unproblematisch, spätestens mit vier sollte es abgewöhnt sein. Ohne solche Zeichen reicht es, mit dem Durchbruch der ersten bleibenden Zähne um das sechste Lebensjahr herum zu kommen.

Einfach mal schauen lassen

Die Erstberatung ist eine Kassenleistung, dauert nicht lang und gibt euch Klarheit. Termine legen wir gern so, dass sie nach der Schule passen. Wie das bei uns mit Terminen und Schule läuft, steht auf der Seite Termine und Schule.

Termin zur Erstberatung vereinbaren oder ruf an: 089 8419999.

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